1.2 Barock & Rokoko 1640- 1775
Barock 1640 - 1720Als Ludwig XIV 1643 seine Vormundschaftsregierung antrat, wurde Frankreich langsam zur politisch und kulturell führenden Macht in Europa. 1661 übernahm er alle Regierungsgeschäfte und führte damit die absolute Monarchie ein ("L’etat c’est moi") . Von nun an war die Machtposition Frankreichs über ein Jahrhundert lang nicht mehr anzufechten (Reclams Mode- & Kostümlexikon S. 53).
So dominierend der Adel und das höfische Leben zu dieser Zeit auch waren - es sollte doch der letzte und pompöseste Akt der Aristokratie in der europäischen Geschichte sein. Das dekadente und verschwenderische Leben am Hof schien geradezu ein verzweifeltes Festhalten der Monarchie an seiner Machtstellung gewesen zu sein, die in der Französischen Revolution ihr endgültiges Ende finden sollte.
Die Französische Mode während der Regierungszeit Ludwig XIV ( 1643 - 1715 ) war ebenso wie barocke Architektur und Kunst eine Verherrlichung des Herrschers und seines Hofes. Sie diente mehr denn je zur Abgrenzung vom normalen Volk und war Mittel zur Selbstinszenierung des Adels (Jugendlexikon Kleidung und Mode S. 115).
Durch Frankreichs zahlreiche Manufakturen und dem, besonders im textilen Bereich blühendem Export, standen zum einen Geld, zum anderen edle Materialien in Hülle und Fülle zu Verfügung. Der Modestil aus Barock und Rokoko wurde als Französische Mode bekannt - Paris war damals Modezentrum Europas und hat diese Stellung bis heute, zumindest teilweise, behalten.
Die Prunksucht am französischen Hof betraf beide Geschlechter gleichermaßen. Männer wie Frauen schmückten sich und trugen ihre körperlichen Reize zur Schau.
Die Männer der Monarchie schienen den Damen geradezu nachzueifern.
So beurteilte Richard Aldewyn die adlige Männermode des 17. und 18. Jahrhundert folgendermaßen:
"Farbenfroh prächtig, mit Bändern, Schleifen, Spitzen und Federn reichlich verziert, mit Perlen, Edelsteinen und kostbaren Knöpfen besetzt, goldbestickt und vielgeschlitzt, erscheinen ihm die Kleider der männlichen Adeligen am Hof Ludwigs des XIV als Usurpation der weiblichen Sphäre: der Mann schmückt sich wie die Frau, um Schmuckstück zu sein. Wie sie steht er am Hofe im Zeichen des Scheins." (Die Mode nach der Mode S. 19)
Der optische Verzicht auf das traditionelle Männerbild war nicht nur bezeichnend für die Rolle des Mannes, sondern auch für die neue, sehr freie Position der Frau am Hofe Ludwigs. Die adligen Damen forderten nicht nur Bildung und Recht auf sozialen Status, sie verlangten auch ein völlig konträres Beziehungsmuster.
"Die Précieuse stehen - gegen den absoluten Autoritätsanspruch des Vaters und Gatten - der arrangierten Ehe und Mutterschaft entschieden feindselig gegenüber. Sie befürworten die Ehe auf Probe und ihre Auflösung, sobald der Erbe geboren ist, der der Obhut seines Vaters übergeben wird. Sie wollen weder auf irgendeine Freiheit noch auf die Liebe verzichten und preisen das zärtliche und platonische Gefühl" (Die Identität des Mannes S.24)
Die vornehmen Männer zu Hofe folgten dieser Forderung.
Sie setzen alles daran, kultiviert, höflich und empfindsam zu erscheinen; untersagten sich, ihre Eifersucht zu zeigen und den häuslichen Tyrannen zu spielen (Die Identität des Mannes S.24-25.)
Unmerklich war die Frau zum Inbegriff des adligen wie des menschlichen Geschlecht geworden (Die Mode nach der Mode S.19).
Die Grundzüge der weiblichen Französischen Hofmode waren die gleichen, wie die der Spanischen - steifer, unbeweglicher Oberkörper zu weiten, ausladenden Röcken in edlen, prachtvollen Stoffen. Die Silhouette wurde jedoch insgesamt weicher und wesentlich weniger statisch. Wie in der Renaissance hat diese Immobilität die Funktion, den Luxus des Müßiggangs zu repräsentieren. Auch hatte das Korsett (damals noch "corps" genannt) noch immer die Funktion, den Körper zu modifizieren. Dabei erfuhr es jedoch eine evidente Umwertung: durch die neue Rolle der Frau am Hofe betonte das Korsett nun reizvoll die weiblichen Formen, anstatt sie zu negieren und den Frauenkörper dem Männerkörper anzugleichen. In der Regel trug man ein separates Korsett unter dem Kleidoberteil, um diesen Effekt zu erreichen. Es existierten jedoch noch immer Mieder, d.h. mit Fischbein verstärktes Kleidoberteil und die Schnürbrust als Unterbekleidung, nebeneinander. Als drittes gab es die Möglichkeit einer reich verzierten, mit edlem Stoff bezogenen Schnürbrust, an die separate Ärmel angenestelt wurden.
Mieder und Schnürbrust wurde von nun an nicht mehr vom normalen Hofschneider gefertigt, sondern vom "Tailleur de corps à baleins"; dem "Fischbeinleib-Schneider". Erstmals wurden die Korsetts aus den bis heute üblichen, typischen Korsettstoffen Atlas, Satin und Seide hergestellt und reichlich mit Spitzen verziert. Um Busen und Dekolleté eine schöne Form zu geben, wurden Brustpolster und rundgebogene Fischbeine in Querrichtung eingearbeitet. Da man Hals und Schultern als ideale Präsentationsmöglichkeit für Juwelen und Perlen entdeckte, rutschten die Schulteträger vom Schlüsselbein bis beinahe auf den Oberarm hinunter. Auch die Schnittführung wurde durch die nun gewünschten kurvigere, elegantere und vor allem femininere Form, ausgefeilter. Statt aus 4 Teilen bestand ein Korsett nun aus

s. Abb. 4). Es setzten sich jedoch immer mehr Korsetts durch, die nur noch an den wichtigen Stellen mit et wa halb so vielen Korsettstäben wie versteift wurden. Diese trugen die Bezeichnung "demi-baleiné", was wörtlich übersetzt "halb-gewalfischt" bedeutet.
Mit der enormen Entwicklung im medizinischen Bereich, entdeckte man auch die orthopädische Wirkung des Korsetts. Erstmals wurden dekorativ geschmiedete Metallkorsetts hergestellt, um Verkrümmungen des Körpers zu behandeln.
News
5. Juli 2007„Literatur”
Unter dem Menüpunkt literatur haben wir....
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6. Juni 2007
„Unter Korsetthersteller ....”
....haben wir die ersten beiden Hersteller
mit Infos und Korsettfotos gelistet.
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