LGM-Korsettball 2001

LGM - Korsettball im Dorint in Neuss
Von Äpfeln und Birnen oder eine kurzes Resümee des Balles... Wie sicherlich jeder weiß, kann man Äpfel und Birnen nicht vergleichen. Sicherlich kann man einen monatlichen Stammtisch auch nicht mit einem Ball, welcher internationales Ansehen geniest, vergleichen. Oder vielleicht doch ? Nunja, der LGM-Ball ist ein oder besser der Ball an dem sich Korsettfreunde aus Deutschland, Europa und der Welt jährlich treffen. In den letzten Jahren habe ich diesen Ball wegen der meines Erachtens überhöhten Eintrittspreise gemieden, da ich mir nicht vorstellen konnte, wie ein Ball es schaffen will, mit internationalen Großereignissen, z.B. der Formel 1, konkurrieren zu wollen. Und diesen Vergleich zwischen Apfel und Tomate (man beachte die rote Farbe) muss man sich wohl gefallen lassen, da die Eintrittspreise nahezu identisch waren. Dieses Jahr schien alles besser zu werden, neue Organisatoren, neue Lokalität und auch neue Preise. Als ich dann auch noch von einem Bekannten gefragt wurde, ob ich nicht mit wolle, dachte ich, warum nicht, das ist mal wieder ein Grund den Smoking aus dem Schrank zu holen, alte Freunde zu treffen und ein schönes Wochenende zu haben. Also zuerst einmal eine Karte besorgen. Das Besorgen der Karte, die es nicht gab, war schon etwas sonderlich, da eine Bestätigung durch den Veranstalter erst sehr spät und eine Karte gar nicht kam. In der Bestätigung hätte man ja darauf hinweisen können, dass man namentlich erfasst wurde und es eine Liste am Eingang geben würde. Verwirrung stiftete bei mir eine Regel zur Teilnahme am Ball: "Teilnahme nur für Paare, einzelne Frauen oder Männer die durch ein Paar eingeladen werden". Da ich nun weder Frau noch Paar bin und keine Teilnahmebestätigung bekommen hatte, machte sich in mir doch etwas Verunsicherung breit. Endlich kam das langersehnte Wochenende des großen Ereignisses, wenn auch ohne Karte, dafür mit einer leichten Unsicherheit, was uns am Eingang erwarten würde. Gebucht hatten wir nicht direkt am Veranstaltungsort, sondern im IBIS-Hotel, welches in der Nähe lag und in dem beide Nächte im Doppelzimmer das kostet was eine Nacht im nobleren Hotel kostet. Freitag kamen wir dank der deutschen Autobahn zwar gestresst und spät an, aber wir kamen an, erlebten noch eine mehr oder weniger missglückte Ansprache des Veranstalters, der darauf hinwies, dass irgendjemand die Zeche geprellt haben solle, was mir nicht ganz verständlich war, da ja noch alle Leute da waren, vorsichtig geworden zahlte ich lieber jedes Getränk gleich bar. Der Freitag Abend war, trotz des leicht säuerlichen Geschmacks der angeblich geprellten Zeche, ein mehr als geglückter Abend, viele interessante Leute, viele gute Gespräche und viele alte Freunde getroffen. Nachdem dann das Restaurant geschlossen hatte, fand sich der harte Kern an der Bar ein. Hier wurde, nachdem wir die Bedienung bestochen hatten, noch ausgelassen bis um vier geredet und gefeiert. Es flog zwar nicht die Kuh aber dafür wenigstens die eine oder andere Ente von der Dekoration. Der einzige Wermutstropfen (wenn es denn Wermut gewesen wäre) war, dass am Ende meines Geldes meine Kreditkarte, da es sich nur noch um einen "Minderbetrag" von ca. 25.-DM handelte, nicht genommen wurde. Mir wurde erklärt, dass es sich bei solch niedrigen Beträgen für das Hotel nicht rentiert, die Karte zu bemühen (hmm?). Ich verstand zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz, was da los war und wurde aber kurzerhand, da dass Hotel nicht bereit war auf solch niedrige Beträge ganz zu verzichten, von den umstehenden Holländern eingeladen. Froh gelaunt und voller Vorfreude gingen wir zurück in unser Hotel und hofften durch die positiven Ereignisse des Freitags auf die Dinge die am eigentlichen Ball kommen sollten. Das Programm des nächsten Tages sollte ein Workshop über die "Frau des 21. Jahrhunderts im Korsett" sein, ein anderer ging über die Zukunft von LGM. Abends sollte dann der eigentliche Ball nach einem Sektempfang statt finden. Am nächsten Morgen trollten wir uns, nach einem ausgiebigen Frühstück im IBIS, wieder zum Veranstaltungsort. Die Seminare wollte ich mir schenken, da ich kein LGM-Mitglied bin und mir deswegen auch keine Gedanken über deren Zukunft zu machen brauche. Außerdem wollte ich keinen der ca. 70 wertvollen Plätze weg nehmen, da deutlich mehr Teilnehmer für die Seminare erwartet wurden, als denn Plätze vorhanden waren. Statt dessen besuchte ich die Aussteller, die etwas verloren in einem unpersönlichen aber dafür dekorierten Raum ihre Tische hatten. Auf Nachfrage warum denn dieser Raum dekoriert sei, wurde mir mitgeteilt, dass hier der Ball statt finden solle. Nunja, zu diesem Zeitpunkt war ich dann doch etwas entsetzt, da dieser Raum den Charme des Nebenzimmers der Vereinsgaststätte des lokalen Kleintierzuchtvereins hatte und die Dekoration eher dem Jahresabschlussball der Geflügelzüchter entsprochen hätte, als einer international renommierten Veranstaltung. Nichts gegen Geflügelzüchter, auch die können feiern, zahlen aber normalerweise keine 165.- DM für ihren Ball Eintritt. Kurz darauf traf ich dann doch noch einige Bekannte, die auch das Seminar geschwänzt hatten. Wir wollten an der Bar zusammen etwas trinken und mussten feststellen, dass diese nicht besetzt war. Erst nach längerem Suchen konnte eine junge Angestellte gefunden werden, die dann an der Bar bediente und sich auch redlich bemühte, der Menge der Leute (ca. 20) aber nicht gewachsen war. Ich frage mich, warum in einem renommierten Hotel, in dem eine internationale Veranstaltung statt findet, mittags um 2 die Bar nicht besetzt ist oder man nicht in der Lage ist, Personal zu besorgen, wenn man merkt das es zu einem Engpass kommt. Über das Hotel an sich kann ich nur soviel sagen, das im deutlich billigeren IBIS die Zimmer ähnliches Niveau hatten, dafür die Betten gemacht wurden und die Bar 24 Stunden rund um die Uhr besetzt war. Swimmingpool gab es im IBIS leider nicht, kostete deswegen aber auch keine 12.-DM zusätzlichen Eintritt. Leicht ernüchtert gingen wir in unser Hotel, um noch etwas Schlaf von der vergangenen kurzen und der kommenden langen Nacht nach- bzw. voraus zu holen. Gegen 18:00 Uhr war es dann soweit, wir liefen rausgeputzt ein. Es ist schon interessant, wie man sich in der richtigen Kleidung verändert und die Alte Volksweisheit, Kleider machen Leute, hat speziell an diesem Abend recht behalten. Jedenfalls war es ein großer Spaß, der Sektempfang war auch nicht schlecht, lediglich der Eintritt zum eigentlichen Ball war nicht sonderlich gut organisiert und erinnerte eher an die Verteilung der Rettungsbote auf der Titanic, Eintrittskarten wären sicherlich einfacher gewesen und hätte Schlange stehen am Eingang verhindert. Weiterhin schien es, dass es mit den Regeln zum Ball nicht sonderlich weit her war. Das Zulassen einzelner Herren hätte ich ja noch verstehen können, auch wenn ich es zu diesem Zeitpunkt geschafft hatte zwei reizende Tischdamen zu finden und deshalb nicht unter diese Regel gefallen wäre, aber das doch mehr als nervige und aufdringliche Fotografieren eines einzelnen Herren auch während des Balles, hätte doch durch den Veranstalter unterbunden werden sollen. Der Ball wurde dann wie international üblich in verschiedenen Sprachen eröffnet. Unter anderem in Deutsch und Englisch, die nicht gerade kleine Gruppe unserer holländischen Freunde, unter denen auch mit die bedeutendsten Korsettmacher waren, wurde, wahrscheinlich aus Ermangelung an Sprachkenntnis, leider vergessen. Man hätte bei der Begrüßung wenigstens die anwesenden Korsettmacher namentlich nennen können, da diese doch hauptsächlich für die korsettmäsige Ausstattung der Damen an diesem Abend verantwortlich waren und nicht der Veranstalter, wie dieser von sich behauptete. Weniger geglückt war auch die Eröffnung des Buffets, welche eigentlich mehr oder weniger vergessen wurde. Die Ansprache zu einer wirklich nette Geste für Michael Garrod, der auf Grund einer schweren Krankheit nicht dabei sein konnte, ging leider in der Vorspeise unter, vielleicht zum Glück, da der Veranstalter sich bei der englischen Übersetzung einen ziemlichen Fehler leistete. Das exotische Buffet war wirklich sehr exotisch. An die Fischliebhaber wurde reichlich gedacht, die Fischsuppe war genial, die Vorspeise fast 100% ebenfalls aus Fisch, die Hauptspeisen ziemlich durchwachsen. Vegetarier konnten sich an das Grünzeug in der Dekoration oder vielleicht auch an die Tischgedecke halten und diese mit Reis und Pommes garnieren. Leute die eher Fleisch bevorzugen, hatten immerhin noch die Auswahl zwischen Huhn und Schwein. Die Kellner waren ebenfalls sehr international und unser Kellner war anscheinend auf einem Auge blind, da er nur meine Hälfte des Tisches bediente, was mich besonders freute, die Leute auf der anderen Tischseite für mich unverständlich eher ärgerte. Die Getränke-Preise waren für einen internationalen Ball ebenfalls angemessen, ein Bier für 5.50 DM (0.25l) oder 15.-DM für eine Flasche Wasser sollte einem bei solch einem Ereignis wirklich nicht zu teuer sein, die Auswahl an internationalen spitzen Weinen entstammte wahrscheinlich dem Sortiment einer international tätigen Supermarktkette. Einer der Kellner war auch mit besten Kräften bemüht, seine Gäste nicht mit abgestandenen Getränken zu konfrontieren und räumte wahrscheinlich deswegen auch halbvolle und volle Flaschen ab. Nicht auszudenken, was bei einer abgestandenen Flasche Wasser alles passieren kann. Zum Tanz und Essen spielte eine als international angepriesene Kapelle (Paris, London und New York) aus Mayen auf, bei der ich mir nicht ganz sicher war ob die MIDI-Files die Kapelle oder die Kapelle die MIDI-Files im Griff hatte. Ich verlies den Ort des Geschehens gegen 22:00 Uhr, da ich einfach durch die vielen exotischen und internationalen Eindrücke überwältigt war. An der Hotelbar traf ich noch einige Andere, denen es anscheinend genau so ging. Ab diesem Zeitpunkt versprach es zwar kein internationaler Abend mit einer Kapelle aus Paris, London und New York zu werden, aber immerhin unterhielt ich mich sehr gut bis gegen 3 Uhr mit Freuden aus dem europäischen In- und Ausland. Nun, was ist mein Resümee dieses Balles? Der Ansatz, die Eintrittspreise zu senken, war sicherlich richtig. Dies wurde durch die hohe Teilnehmerzahl gewürdigt. Aber nur die Teilnehmer haben zum Gelingen des Balles beigetragen, die phantasievollen Kostüme und die Herzlichkeit und Freundlichkeit der Gäste untereinander, sicherlich aber nicht das Hotel und auch nicht die Organisatoren. Probleme in der Organisation solcher Veranstaltungen gibt es immer und vielleicht hätte man über das eine oder andere Problem gerne hinweggesehen. Sicherlich war die Wahl der Lokalität extrem schlecht und wurde weder dem Ambiente, welches man bei einer solchen Veranstaltung erwartet noch dem Service, den man von solch einem Hotel erwarten darf, gerecht. Und von der Verantwortung der Hotel-Wahl kann ich die Veranstalter leider nicht lossprechen. Die Argumentation "Es sind doch jede Menge Leute da..." ist sicherlich kein gutes Argument, noch ein paar solcher Katastrophen wie dieses Hotel und der Ball findet irgendwann wegen mangelnder Teilnehmerzahl im Nebenzimmer des lokalen Skat-Vereins statt. Und wenn eine Veranstaltung einmal soweit gekommen ist, dann wird es schwierig werden, wieder richtige und attraktive Ballsäle, die auch international repräsentieren können, zu füllen. Und von diesen Sälen gibt es in Deutschland mehr als genug, man muss nur ein wenig suchen. Auch eine Argumentation "Macht es doch besser, wenn es Euch nicht gefällt..." kann ich nicht gelten lassen, ich habe Eintritt bezahlt und darf deshalb auch eine reelle Gegenleistung erwarten. Wenn ich mit dieser nicht zufrieden bin, dann habe ich das gute Recht dieses auch kund tun. Weiterhin ist es sicherlich nicht hilfreich, wenn man versucht den Veranstalter auf das eine oder andere Problem anzusprechen und dann zu hören bekommt: "Dann bleibt halt weg...", genau das werde ich, wenn sich wieder solch eine Katastrophe abzeichnet, nächstes Jahr auch tun. Allerdings werde ich nur vom Ball fern bleiben, freitags meine Freunde an der Hotelbar treffen, samstags mit dem am Ball gesparten Eintritt in einem sehr guten Restaurant Essen gehen und mich gegen 22:00 Uhr wieder an der Bar einfinden. So etwas ist im Allgemeinen als Stammtisch bekannt. Und nun kann man auch wieder Äpfel mit Birnen vergleichen und der Stammtisch am Wochenende war sicherlich einer der Besten die ich je erlebt habe. Er kann sicherlich mit den großen Stammtischen in Gleisweiler mithalten. Einen Ball hat es dort zwar noch nie gegeben, aber was nicht ist, dass kann ja vielleicht noch werden. Mit einem exotischen Gruß Leo 25.November 2001
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